Paralympics Peking

Das waren die Paralympics in Peking

Das Schweizer Team gewinnt bei den Paralympics in Peking die angestrebte Medaille, die meisten Athlet:innen zeigen starke Leistungen. Allerdings ist man sich bei Swiss Paralympic bewusst, dass grosse Herausforderungen anstehen.

Zum Abschluss der Paralympics verpasst Thomas Pfyl als Vierter im Slalom knapp eine Medaille. «Es ist schade», sagt der Schwyzer, «das ist der undankbarste Platz.» Allerdings ist er froh, dass er nach sehr starken Rückenbeschwerden in den Tagen davor überhaupt fahren kann. «Der Zeitabstand auf einen Podestplatz ist mit mehr als drei Sekunden doch recht gross, dass hält die Enttäuschung einigermassen in Grenzen.» Damit ist die paralympische Karriere von Pfyl vorbei, was einen 4. Rang noch ein wenig undankbarer macht.

Robin Cuche ist auf dem Weg zu seinem dritten Diplom, ehe der Neuenburger im zweiten Lauf ausscheidet. In der Kategorie sitzend ist das Rennen für Murat Pelit schon im ersten Lauf vorbei, auch der Tessiner nimmt Abschied von den Winter-Paralympics. Pascal Christen erreicht im Monoskibob Rang 14, der Luzerner blickt insgesamt auf eine gelungene Premiere auf der ganz grossen Bühne zurück.

Letztlich bleibt es somit bei der einen Medaille für die Schweizer Delegation, die Théo Gmür zum Auftakt auf der Abfahrt gewinnt. «Wir können grösstenteils eine gute, zufriedene Bilanz ziehen», sagt Swiss-Paralympic-Präsident und PluSport-Geschäftsführer René Will. «Das erklärte Ziel mit einer Medaille haben wir erreicht.» Diesem Urteil schliesst sich Chef de Misson Roger Getzmann an, beide verweisen darauf, «dass uns letztlich in einigen Situationen das Wettkampfglück gefehlt hat», wie Getzmann sagt.
René Will betont aber auch, dass es nach Beijing 2022 eine intensive interne Aufarbeitung brauche: «Wir müssen uns die Frage stellen, ob wir noch genügend wettbewerbsfähig aufgestellt sind. Und wenn die Antwort ‘Nein’ lautet - haben wir die Chance, das zu ändern?» Er spricht damit die international stark zunehmende Professionalisierung an, die auch bei Getzmann ein wichtiges Thema ist, wenn es etwa um die grossen Erfolge des chinesischen Teams geht. Am Ende ist sehr vieles eine finanzielle Herausforderung, wenn die Schweiz auch im Para-Sport weiter mit anderen Nationen mithalten will, die viel stärker von staatlicher Unterstützung profitieren.

Alpin: Bei den Besten mit dabei

«Wir haben mit der Spitze mitgehalten, die Bilanz fällt insgesamt positiv aus.» Grégory Chambaz, Nationaltrainer der Alpinen, ist mit dem Verlauf der Paralympics im Grossen und Ganzen zufrieden. Mit etwas mehr Glück hätte es neben Bronze für Théo Gmür auf der Abfahrt noch die eine oder andere Medaille geben können. Chambaz denkt an Gmür im Riesenslalom, an Thomas Pfyl in der Super-Kombi und im Slalom. Aber die Konkurrenz sei eben sehr stark, da müsse alles passen, damit ein Podestplatz möglich ist. Was Chambaz zu denken gibt, ist die Leistungsexplosion im chinesischen Team. «Es ist mir nicht ganz klar, wie man in drei Jahren in allen Kategorien und Disziplinen so viele so starke Athleten ausbilden kann», sagt er.

 
Langlauf: Wunsch nach Professionalisierung
Im Langlauf ist Luca Tavasci als Einzelkämpfer unterwegs, der Engadiner läuft stark. Er bestätigt praktisch seine Resultate von Pyeongchang 2018, was nach Stillstand klingt, dies aber nicht ist: Die Konkurrenz ist so viel stärker geworden und auch in der Breite gewachsen, dass diese «Bestätigung» eine klare Verbesserung ist. Tavasci und Nationaltrainerin Sandra Gredig haben bei den Paralympics immer wieder und sehr bewusst das Thema Professionalisierung aufgebracht. Will sich der Engadiner intensiv auf Paralympics vorbereiten, muss er unbezahlten Urlaub nehmen, das ist auf die Dauer nicht machbar. Zudem fehlt ihm innerhalb des Landes starke Konkurrenz, er ist viel mit Regelsportlern unterwegs, bekommt von dort wertvolle Unterstützung, aber das ist nicht das, was Luca wirklich nach vorne bringt», sagt Gredig.


Snowboard: Grossartige Tage
Für das Snowboardteam sind die Tage von Zhangjiakou tolle Tage. Da sind einerseits die starken Auftritte von Romy Tschopp im Cross und Banked Slalom. Sie kann den Abstand zur Spitze im Vergleich zur WM in Lillehammer nochmals verkleinern, obwohl ihre Beeinträchtigung (Spina bifida) sie deutlich stärker beeinträchtigt als die Konkurrenz. Genauso wichtig ist dieser Auftritt für Coach Silvan Hofer, aber auch für die Para-Snowboardszene der Schweiz generell. «Wir haben das Team vor drei Jahren aufgebaut», sagt Hofer, eine Teilnahme in Peking schien damals nicht möglich. Jetzt war mit Romy Tschopp, Ellen Walther und Aron Fahrni gleich ein Trio bei der WM, weitere starke Fahrer:innen sind da und allesamt voller Ehrgeiz, es der Kollegin Tschopp in Sachen Paralympics gleich zu tun.


Curling: Die Rangliste lügt nicht
«Ernüchternd.» Das ist das erste Wort, das Curling-Nationalcoach Stephan Pfister einfällt auf die Frage nach seiner Bilanz. Ein Sieg in 10 Spielen, der letzte Platz - so hatten er und das Team sich den Auftritt im Ice Cube von Peking nicht vorgestellt. Die vierjährige Aufbauzeit sei vor allem in den letzten drei Monaten schwer beeinträchtigt worden: der krankheitsbedingte Ausfall von Skip Eric Décorvet, die hektische Suche nach einer zweiten Frau im Team. Laurent Kneubühl rückt als Skip auf, Badmintonspielerin Cynthia Mathez wird zur «tollen Notlösung», wie Pfister sagt. Aber all dies führt zu einer gewissen Unruhe im Team, es gibt Diskussionen um Wechsel auf den Positionen, so reicht es gegen die starke Konkurrenz nicht.

Das waren die Paralympics in Peking:

8. Tag: Für PluSport Langläufer Luca Tavasci enden die Paralympics mit einer weiteren starken Leistung. Der Engadiner wird über 12,5 km 13., dabei liegt ihm weder die Distanz noch die Skatingtechnik besonders. Wieder sind in der Rangliste nur Athleten vor ihm, die mindestens als Halbprofis unterwegs sind. Tavascis Renneinteilung klappt wunschgemäss, technisch ist er sauber unterwegs, das Material sei wieder ausgezeichnet gewesen, sagt er. «Der gute Auftakt über 20 km klassisch war wichtig, das hat die nötige Ruhe und Zuversicht gebracht», sagt Coach Sandra Gredig. Luca freut sich, dass er die Platzierungen von Pyeongchang 2018 praktisch wiederholt hat, obwohl die Weltspitze deutlich stärker geworden ist. Allein das chinesische Team hat durch konsequente Aufbauarbeit bislang 13 Medaillen im Langlauf gewonnen, über 12,5 km sind es Gold und Bronze - vor vier Jahren gab es für sie noch gar keine. «Für mich ist wichtig, dass der Zeitabstand auf die Spitze deutlich abgenommen hat», so Luca.

7. Tag: Den ersten Auftritt einer Schweizer Snowboarderin bei Paralympic beschliesst Romy Tschopp mit dem 12. Rang im Banked Slalom. Gold geht an Brenna Huckaby (USA), die damit einen chinesischen Vierfach-Triumph verhindert. Tschopp ist mit ihrer Leistung sehr zufrieden, dieser Meinung schliesst sich ihr Coach Silvan Hofer gerne an. «Wenn man die Schwere von Romys Behinderung im Vergleich mit den Konkurrentinnen berücksichtigt, die zudem alle sehr viel länger im Spitzensport unterwegs sind, war das ein starker Auftritt», sagt Hofer. Tschopp zieht mit einem Lächeln Bilanz und sagt, «ich bin sehr stolz auf meine Beine.» Die Baselbieterin ist die Einzige im Feld, die im Alltag auf einen Rollstuhl angewiesen ist, jedes Training, jedes Rennen belastet sie stärker als andere. 

6. Tag: Enttäuschung der Skifahrer am heutigen Tag. Théo Gmür wird im Riesenslalom Fünfter und ist extrem enttäuscht.Im ersten Lauf hatte sich der Walliser noch auf den dritten Platz gekämpft, im zweiten fällt er zwei Ränge zurück, Gold geht an den Finnen Santeri Kiiveri. Robin Cuche und Murat Pelit (Kategorie Sitzend) scheiden aus, Pascal Christen wird 17. Thomas Pfyl war wegen Rückenproblemen nicht am Start.

Gmür ist hinterher vor allem über sich selbst wütend. «Ich habe einfach den Rhythmus nicht gefunden, in keinem Lauf.» Seine Müdigkeit will er nicht als Erklärung gelten lassen, «alle haben zwei sehr anstrengende Wochen hinter sich», aber von ihnen seien eben vier schneller gefahren. Auf den Slalom am Sonntag verzichtet er, jetzt geht es darum, sich zu erholen. Und seine Bilanz der Paralympics? «Es ist noch etwas früh für eine ausführliche Version», sagt Gmür, «da brauche ich etwas Abstand. Aber diese eine Medaille habe ich, und das ist besser als keine mit nach Hause zu nehmen.» Sie sei sehr wichtig als Motivation für die kommende Saison, «und dann schauen wir, was da wieder möglich ist.»

Kein Happy End: Für das Curlingteam gibt es beim letzten Auftritt bei Beijing 2022 ebenfalls kein Happy End. Auch die letzten beiden Spiele gehen verloren, das 8:7 gegen Korea bleibt das einzige Erfolgserlebnis. Zum Abschluss der Round Robin unterliegt das Team um Skip Laurent Kneubühl der Slowakei 5:8 und Estland 6:8.

Das weitere Programm: Am Freitag zwischen 11 bis 14 Uhr steht Romy Tschopp zum zweiten Mal im Einsatz. Die Baselbieterin startet im Banked Slalom. Der Slalom der Ski Alpin-Männer wurde von Samstag auf Sonntag verschoben.

5. Tag: Langläufler Luca Tavasci überzeugt auch im Sprint. Für die Halbfinals reicht es zwar nicht ganz, aber er mit Rang 16 nähert er sich der professionellen Spitze weiter an. Luca ist zufrieden mit seiner Leistung und seiner Form.

4. Tag: Boardercrosserin Romy Tschopp verpasst den Cross-Halbfinal nur knapp: «Ich bin sehr enttäuscht, hatte zu viel Respekt am Start und konnte dann während dem Lauf aufholen.» Der nächste Wettkampf ist am Samstag mit dem Banked Slalom. Die Schweizer Curler haben heute die letzte Chance, eine Runde weiterzukommen.

3. Tag: Robin Cuche holt in der Superkombination ein paralympisches Diplom. Thomas Pfyl und Théo Gmür verpatzen ihre Slalom-Läufe und sind nicht im Ranking klassiert. Die beiden Monoski-Athleten Pascal Christen und Murat Pelit scheiden im Slalom aus.

Langläufer Luca Tavasci wird 11. über 20 km klassisch: «Das war mein Rennen hier in Peking und das habe ich genutzt.» Vor vier Jahren erreichte Luca in  PyeongChang den 14. Platz.

2. Tag: Eine Medaille war der Traum der Alpinen im Super-G, trotz eines starken Teamresultats geht er diesmal nicht in Erfüllung: Théo Gmür wird nach Bronze in der Abfahrt 5., dahinter folgen Robin Cuche (6.) und Thomas Pfyl (7.). Gmür spürte vor dem Start die Nachwehen seines grossen Tages: «Ich habe sehr wenig geschlafen.»

Zu Gast bei SRF, PluSportlerin Theres Huser!

1. Tag: Théo Gmür gewinnt die Bronzemedaille in der Abfahrt! «Wenn man mir im Dezember gesagt hätte, dass ich hier eine Medaille mache, hätte ich es nicht geglaubt», so Théo. Er hatte vor wenigen Wochen eine Knieverletzung erlitten. Der 3-fache Goldmedaillengewinner von PyeongChang und Behindertensportler des Jahres 2018 wurde in der Abfahrt nur vom Franzosen Arthur Bauchet und dem Österreicher Markus Salcher bezwungen.

4. März 2022: Die Paralympischen Spiele wurden mit Fahnenträger:in Romy Tschopp und Hans Burgener eröffnet.