Tête-à-tête

«Wir brauchen starke und innovative Verbände»

BASPO-Direktor Matthias Remund weiss, was den Sport so wertvoll macht, plädiert für eine stärkere Förderung der Inklusion im Sport und möchte, dass Menschen mit Behinderungen selbsverständlicher Teil des Schweizer Sportsystems werden.

Sie kommen öfters als Gast an den PluSport-Tag. Was beeindruckt Sie dort besonders?
Diese pure, unverfälschte Freude und Begeisterung für den Sport und die Gemeinschaft. Wer diesen Anlass besucht, ob als Teilnehmerin oder als Zuschauer, sieht, mit welcher Leidenschaft sich Menschen mit unterschiedlichsten Fähigkeiten ins Zeug legen, sich mit den anderen messen, sich gegenseitig unterstützen und zur Leistung gratulieren. Alle sind akzeptiert, alle sind integriert und Teil eines Ganzen. Der PluSport-Tag zeigt mir jedes Mal, was den Sport so wertvoll macht. Er ist ein Schaufenster der Begeisterung, der Herzlichkeit und der Toleranz.

Welche Bedeutung hat für Sie Inklusion und Integration?
Wir wissen schon lange, wie wichtig Sport und Bewegung für alle Menschen sind. Wer sich bewegt, ist gesünder, zufriedener, selbstbewusster. Man lernt, gerade im Teamsport, elementare Fähigkeiten wie Fairness, Respekt und Toleranz. Auch darum ist es wichtig, dass Sportangebote für alle zugänglich sind. So kann der Sport einen wichtigen Beitrag zu Inklusion und Integration leisten. Für mich persönlich hat diese Thematik einen hohen Stellenwert.

In welcher Rolle sieht sich das BASPO konkret in der Förderung von Inklusion im System J+S und esa?
Das BASPO analysiert das Potential seiner Sportfördermassnahmen laufend. Dazu gehörte auch das Sportförderprogramm J+S: Es gibt zum Beispiel zusätzliche Subventionsbeiträge an Kurse und Lager mit Beteiligung von Jugendlichen mit Behinderungen. Ebenso wird die Vermittlung von Fachwissen zum Thema Sport und Behinderung in den Aus- und Weiterbildungskursen von J+S- und esa-Experten und -Leiterinnen (z.B. Modul «Sport und Handicap») verstärkt. Die Fachstelle Integration und Prävention des BASPO begleitet diese Entwicklungen mit ihrem spezifischen Know-how.

Gibt es Überlegungen, inwiefern das BASPO zukünftig im Sport die Inklusion von Sportler:innen mit einer Behinderung unterstützt?
Das BASPO will seine Bemühungen in der Förderung des Sports für Menschen mit Behinderungen weiter stärken. Die Inklusion im Sport (und weiteren Bereichen) dient der ganzen Gesellschaft. Ziel der Fördermassnahmen ist es, dass Menschen mit Behinderungen selbstverständlicher Teil des Schweizer Sportsystems sind, dieses mitgestalten und sich darin zurechtfinden. Diese Entwicklung hin zum inklusiven Sportsystem läuft in enger Abstimmung mit dem Sportdachverband Swiss Olympic und der von diesem neu geschaffenen Fachstelle Inklusion. Sie entspricht auch der behindertenpolitischen Stossrichtung des Bundesrats.

Es bestehen bereits viele gute Fördermassnahmen, was sind für Sie konkrete nächste Schritte von Seiten BASPO, um die Thematik weiter voranzutreiben?
as BASPO sieht sich in der Förderung der Inklusion im Sport als einer von mehreren Akteuren (Swiss Olympic, Behindertensportverbände, andere Bundesstellen usw.). Neben den bereits erwähnten Anstrengungen in der Ausbildung oder der Subventionierung sind auch die Unterstützung und Beratung beim Bau von Sportanlagen oder die fortwährende Sensibilisierung von Sportverbänden (etwa in Bezug auf die Durchführung von behindertengerechten Breitensportanlässen) Handlungsfelder. Zudem kann das BASPO internationale Sportgrossanlässe, bei welchen die Paradisziplinen integriert sind, gezielt unterstützten. Dies war beispielsweise bei den Sportkletter-Weltmeistershaften 2023 in Bern der Fall. Im Zuge einer WM oder EM durch den Verband getroffene Sportfördermassnahmen mit dem Ziel der Inklusion sind unseres Erachtens ebenfalls besonders förderwürdig. Ziel bleibt ein inklusives Sportsystem, in dem nach Möglichkeit alle wählen können, wo und wie sie Sport treiben wollen.

Welche Themen bereiten Ihnen in ihrer Funktion als BASPO-Direktor aktuell die grössten Sorgen oder Herausforderungen?
Ich habe keine Sorgen! Es ist ein grosses Privileg in der Schweiz zu leben und auch noch den Sport fördern zu dürfen. Herausforderungen gibt es im Sport viele. Wichtig ist, die Erwartungen unserer Gesellschaft an den Sport zu erfüllen. Den Menschen – allen Menschen – das Sporttreiben zu ermöglichen. In vielen Sportarten, für alle Leistungsgruppen, ohne Wettkampf oder auch mit Wettkampf. 

Olympische Spiele und Paralympics in der Schweiz sind aktuell wieder ein grösseres Thema in unserem Land. Wie stehen Sie dazu?
Die Schweiz ist ein sportbegeistertes Land und Austrägerin vieler nationaler aber auch internationaler Grossveranstaltungen. Swiss Olympic und die Wintersportverbände verfolgen die Absicht, nachhaltige, auf die Schweiz zugeschnittene und breit abgestützte Olympische Winterspiele durchzuführen. Gemäss den Initianten müssten keine neuen Infrastrukturen gebaut werden. Diesen Ansatz finde ich vielversprechend, ich stehe ihm positiv gegenüber. Es müssen aber noch viele Fragen beantwortet werden; das wird in den nächsten Wochen und Monaten geschehen.

Was wünschen Sie PluSport für die Zukunft?
Schon allein die Organisation des jährlichen PluSport-Tages macht so vielen Menschen Freude, dass PluSport ihn hoffentlich noch viele Jahre durchführt! Übers Ganze gesehen wünsche ich PluSport weiterhin viel Kraft und Energie für seinen Einsatz zu Gunsten von Sport treibenden Menschen mit Behinderungen. Sie und die weiteren Akteure im Schweizer Sport brauchen starke, innovative und moderne Verbände.

Welche Wünsche haben Sie an die Gesellschaft zum Thema Integration/Inklusion?
Alle Menschen haben das Recht, gleichwertiger und selbstbestimmter Teil unserer Gesellschaft zu sein. Das gilt nicht nur im Sport. Die Gesellschaft als Ganzes kann dadurch nur profitieren. Ist diese Einsicht überall vorhanden, wird es auch mit der Inklusion noch schneller vorwärtsgehen.