Im Strassenrennen der Kategorie C2 triumphierte Flurina Rigling dank eines starken Schlusssprints. Auf dem 55 Kilometer langen Rundkurs fuhr die Titelverteidigerin bis zum Ende der vierten Runde geduldig im hinteren Teil des Feldes, bevor sie auf der Zielgeraden knapp vor der Irin Heather Jameson zum Sieg sprintete und jubelte. Bronze holte die britische Zeitfahr-Weltmeisterin Amelia Cass.
«Ich bin erleichtert, weil ich habe mir vor allem selbst Druck gemacht», sagt die Weltmeisterin nach der Siegerehrung. «Ich sehe dieses Jahr als Zwischenschritt Richtung Los Angeles 2028, trotzdem wollte ich an dieser WM performen», so Rigling. Mit Silber und Gold im Gepäck reist die Zürcherin zufrieden nach Hause.
Top 10 bei WM-Premiere für Quirin Lutz
Auch in den Wettkampfkategorien der Männer gab es Schweizer Bestleistungen. Der Nachwuchsathlet Quirin Lutz fuhr in der Kategorie C2 ein solides Strassenrennen und klassierte sich auf Rang 9 hinter dem starken Belgier Ewoud Vromant. Bereits im Zeitfahren erreichte der junge Aargauer die Top 10. In der Wettkampfkategorie C4 fuhr der Waadtländer Laurent Garnier im Strassenrennen auf den 17. Rang. Das Tandem von Christian Ackermann mit Pilot Dominik Büttler klassierte sich auf Rang 15.
Drei erfolgreiche Titelverteidigungen
Die Para-Cycling-WM endet mit einer starken Bilanz. Insgesamt holte die Schweiz acht Medaillen, drei davon glänzten golden. Den Goldmedaillengewinnerinnen Flurina Rigling (C2), Sandra Fuhrer (H4) und Celine van Till (T2) ist zudem je eine Titelverteidigung geglückt. Im Nationen-Ranking der meisten Goldmedaillen befindet sich die Schweiz nach Frankreich, China und den USA auf Rang vier.
Während das Handbike-Team seine erfolgreiche Saison mit der WM in Huntsville abschliesst, bereiten sich die stehenden Fahrer:innen nach der Rückkehr auf die Bahn-WM vor. Diese wird vom 29. Oktober bis 1. November in Apeldoorn (NED) ausgetragen.
Fotos: Jasmin Honold
Bronze nach Sturz für Celine van Till
07.09.2026: Glück im Unglück für van Till
Am dritten Wettkampftag der Para-Cycling-Weltmeisterschaften in Huntsville gewinnt Celine van Till Bronze, und das unter dramatischen Umständen. Die Genfer Titelverteidigerin stürzte im Zielsprint über die Ziellinie, nachdem die Chinesin Wenxi Wu das Hinterrad ihres Dreirads berührt hatte.
Dabei hatte die Genferin das Strassenrennen taktisch klug bestritten und sich lange hinter der Dänin Emma Lund positioniert. Wenige Zentimeter vor der Ziellinie kam es zum folgenschweren Kontakt: Wenxi Wu berührte das Hinterrad von van Tills Dreirad. Beide Fahrerinnen stürzten und überquerten die Ziellinie am Boden. Van Till sicherte sich dabei die Bronzemedaille.
«Es war mein erster schwerer Sturz in einem Radrennen. Mir geht es wieder gut, aber ich brauche sicher noch etwas Erholung», meinte van Till nach dem Rennen. Die Genferin darf damit trotz des Sturzes ihre zweite Medaille an diesen Weltmeisterschaften feiern.
Fuhrer verteidigt ihren Weltmeistertitel
Für den goldenen Abschluss des Tages sorgte Sandra Fuhrer. Die Glarner Handbikerin verteidigte im Strassenrennen ihren Weltmeistertitel aus dem Vorjahr – trotz eines «technischen Intermezzos», wie sie es nannte. Nachdem sich das Handbike einer Konkurrentin mit ihrem verhakt hatte, mussten beide Fahrerinnen kurz anhalten. Fuhrer kämpfte sich jedoch zurück und gewann dank einer beeindruckenden Aufholjagd erneut Gold.
«Es war ein ganz anderes Rennen als vor einem Jahr. Es war sehr taktisch. Ich musste geduldig sein und mich häufig hinten im Feld aufhalten», erklärte Fuhrer. Den Druck als Titelverteidigerin habe sie so gut wie möglich auszublenden versucht.
Aus Bronze wird Silber
Auch für Fabian Recher endeten die Weltmeisterschaften nach Rang vier im Zeitfahren versöhnlich. Er fuhr ein solides Strassenrennen, das im Schlusssprint entschieden wurde. Der Berner überquerte die Ziellinie zunächst hinter dem Österreicher Thomas Frühwirth als Dritter. Weil Frühwirth von der UCI wegen eines Fahrfehlers auf Rang vier zurückversetzt wurde, rückte Recher auf den Silberplatz vor.
Damit krönte Recher seine herausragende Saison, in der er bereits zwei EM-Titel gewonnen hatte, mit WM-Silber.
Wäfler holt zweite WM-Medaille
Micha Wäfler sicherte sich im Strassenrennen der Kategorie H3 die Bronzemedaille. Nach Silber im Einzelzeitfahren war es bereits seine zweite Medaille an diesen Weltmeisterschaften – und die zweite seiner Karriere.
«Die Bronzemedaille ist für mich fast Gold wert», sagte Wäfler nach der Siegerehrung. «Es gab heute auch Stürze. Ich wollte nicht zu viel riskieren, lag deshalb etwas weiter hinten und musste einen starken Schlusssprint hinlegen.» Dieser gelang ihm: Wäfler kämpfte sich auf den dritten Rang vor.
Am Montag enden die Para-Cycling-Weltmeisterschaften in Huntsville mit den Strassenrennen der stehenden Athlet:innen. In der Kategorie C2 versucht die Zürcherin Flurina Rigling, ihren Weltmeistertitel zu verteidigen.
Foto: Jasmin Honold
Titelverteidigerin Flurina Rigling holt Silber im Zeitfahren
06.09.2026: Platz zwei für Rigling
Am zweiten Tag der Para-Cycling-Weltmeisterschaften in Huntsville fährt Flurina Rigling zu Silber im Einzelzeitfahren. Das Regenbogentrikot der amtierenden Zürcher Weltmeisterin geht an die Britin Amelia Cass.
«Silber ist für mich auch eine gute Leistung»
Mit rund 10 Sekunden Rückstand auf die neue britische Weltmeisterin fuhr Flurina Rigling auf dem 14 Kilometer langen Rundkurs in Huntsville ins Ziel. Grosse Enttäuschung über den verlorenen Titel zeigt sie jedoch nicht. «Ich hatte ein gutes Pacing und konnte die Hitze gut bewältigen. Silber ist für mich auch eine gute Leistung und es zeigt, dass sich der Para-Sport entwickelt», so Rigling. Die Jagd auf das Regenbogentrikot im Zeitfahren ist ein Ansporn für die UCI Radsport-Weltmeisterschaften 2027 in Haute-Savoie, wo auch Para-Cycling Teil des Programms sein wird. Am Montag startet Flurina Rigling als Titelverteidigerin im Strassenrennen. Ihr Ziel: das Regenbogentrikot verteidigen.
Top 10 für Laurent Garnier und Quirin Lutz
Der Aargauer Nachwuchsathlet Quirin Lutz ist mit seinem Einzelzeitfahren zufrieden. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 45 km/h klassiert er sich in der Kategorie C2 in den Top 10 von 20 Fahrern. Auch dr Waadtländer Laurent Garnier fährt in der Kategorie C4 mit einer Bestleistung auf den 10. Platz. Auch dem Tandemfahrer Christian Ackermann mit dem Piloten Dominik Büttler ist der Einstieg in die WM geglückt. Sie klassieren sich nach einem harten Rennen in der Nachmittagshitze auf Rang 13.
Am Sonntag und Montag stehen die Strassenrennen auf dem Programm. Das Streckenprofil ist dabei ähnlich wie im Zeitfahren. Je nach Wettkampfkategorie werden die Athlet:innen auf dem Rundkurs 55 bis 110 Kilometer zurücklegen.
Foto: Jasmin Honold
Celine van Till verteidigt Regenbogentrikot im Zeitfahren
05.09.2026: Goldener Start für Schweizer Para-Cycling Team
Gelungener Start für Celine van Till: Zum Auftakt der Para-Cycling-Weltmeisterschaften in Huntsville verteidigt sie ihren Weltmeistertitel im Einzelzeitfahren. Kurz darauf gewinnen die Handbiker:innen Sandra Fuhrer und Micha Wäfler erstmals WM-Silber in dieser Disziplin.
Hartes Rennen für Celine van Till
Celine van Till ist der Auftakt zu den Weltmeisterschaften in Huntsville bestens gelungen. Die Genfer Dreiradfahrerin setzte sich mit knapp 25 Sekunden Vorsprung auf die zweitplatzierte Dänin Emma Lund durch. Damit verteidigte van Till nicht nur ihr Regenbogentrikot aus dem Vorjahr, sondern feierte zugleich ihren vierten WM-Titel in Folge im Einzelzeitfahren. «Es war ein hartes Rennen, aber ich denke, dass ich es gut eingeteilt habe, um nicht zu überhitzen», meint Celine van Till.
Erstes WM-Silber für Fuhrer und Wäfler
Kurz darauf sorgten Sandra Fuhrer und Micha Wäfler für zwei weitere Schweizer Medaillen. Die beiden Handbiker gewannen erstmals WM-Silber im Einzelzeitfahren. Der Berner Micha Wäfler ärgerte sich im Ziel zwar über den verpassten Sieg, jedoch holte er mit dem 2. Platz seine allererste Medaille an Weltmeisterschaften überhaupt. Die Glarnerin Sandra Fuhrer, die 2025 Weltmeisterin im Strassenrennen wurde, hatte das Podest im Zeitfahren in den vergangenen beiden Jahren als Vierte verpasst. In Huntsville musste sie sich einzig der US-Amerikanerin Emelia Perry geschlagen geben. Diese absolvierte den rund 14 Kilometer langen Rundkurs 56 Sekunden schneller als die Schweizerin.
Weniger gut verlief das Zeitfahren für Felix Frohofer, Fabian Recher und Benjamin Früh. Recher verpasste als Vierter knapp das Podest, Früh belegte den siebten Rang. Beiden kommt eine bergigere Strecke eher entgegen als der grösstenteils flache Rundkurs. Frohofer beendete das Rennen nach zwei Platten auf Rang 15.
Hitze auch beim Strassenrennen
Eine entscheidende Rolle spielte auch der Umgang mit der Hitze. Bei 36 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit prägten Sonnenschirme, Kühlwesten, Eiswürfel und Wasserbecken das Bild am Start. Auch für die kommenden Tage werden in Alabama ähnlich hohe Temperaturen erwartet. Am Sonntag steht für Handbike- und Dreiradfahrer:innen das Strassenrennen auf dem Programm. Dann möchten Celine van Till und Sandra Fuhrer ihre Regenbogentrikots verteidigen.
Foto: Jasmin Honold
Medaillenambitionen an der Para-Cycling-WM in den USA
Fünf stehende Para-Cycler:innen und fünf Handbiker:innen vertreten die Schweiz an den Weltmeisterschaften 2026 in Huntsville (USA). Vom 4. bis 7. September fahren sie im Einzelzeitfahren und Strassenrennen um die Regenbogentrikots. Zudem werden pro Nation Punkte für die ersten Paralympics-Startplätze in Los Angeles 2028 vergeben.
Gleich mehrere Schweizer Athlet:innen reisen mit Medaillenambitionen nach Huntsville in den USA: Flurina Rigling (C2), Celine van Till (T2), Benjamin Früh (H1), Quirin Lutz (C2) und Laurent Garnier (C4) starten in den Kategorien der stehenden Para-Cycler:innen. Flurina Rigling und Celine van Till gehören dabei zu den grossen Schweizer Goldhoffnungen.
Rigling mit "Mission Titelverteidigung"
Die Zürcherin Flurina Rigling ist amtierende Weltmeisterin in beiden Disziplinen sowie Europameisterin 2026 im Strassenrennen. Auch Celine van Till gehört an der WM zu den Goldanwärterinnen. Die Genfer Dreiradfahrerin ist seit der WM 2024 in Zürich international ungeschlagen und entschied auch an den diesjährigen Europameisterschaften beide Rennen für sich.
WM-Premiere feiert Quirin Lutz (C2): Der Aargauer Newcomer und ehemalige Eishockeyspieler stand beim diesjährigen Weltcup in Thailand auf dem Podest. In Huntsville wird er zweifellos auf noch stärkere Konkurrenz treffen. Die WM wird deshalb zeigen, wie weit er sich seit Saisonbeginn entwickelt hat.
Auf dem Tandem starten Christian Ackermann und Pilot Dominik Bütler (MB). Das Duo steigert sich kontinuierlich und möchte sich in Huntsville weiter an die internationale Spitze herantasten. Eine Top-10-Platzierung wäre ein sehr gutes Ergebnis.
Komplettiert wird das Standing-Team durch den erfahrenen Westschweizer Laurent Garnier (C4) und Benjamin Früh (H1)
Neue Favoriten bei den Handbiker:innen
Auch bei den Handbiker:innen stehen die Zeichen auf Medaille. Fabian Recher (H4), Sandra Fuhrer (H4) und Micha Wäfler (H3) haben in diesem Jahr bereits EM-Erfolge gefeiert und reisen entsprechend selbstbewusst nach Huntsville. Für alle drei bietet sich die Chance, ihre starke Saison mit einem Spitzenresultat an der WM abzuschliessen.
Fabian Recher gehört dabei zu den erfahrensten Schweizer Medaillenhoffnungen. Der Berner holte an den Europameisterschaften sowohl im Zeitfahren als auch im Strassenrennen Gold. Damit knüpfte er an seine starken Leistungen aus dem Vorjahr an: An der WM 2025 in Ronse gewann Recher in beiden Disziplinen Silber. In diesem Jahr setzte er sich zudem im Gesamtweltcup durch. Nach EM-Gold und dem Weltcupsieg will er nun auch bei der WM wieder um die vordersten Plätze fahren.
Auch Sandra Fuhrer hat sich in dieser Saison an die Spitze ihrer Kategorie gefahren. Die Glarner Handbikerin wird in Huntsville erstmals als Favoritin an einer Weltmeisterschaft starten. Sie ist amtierende Weltmeisterin im Strassenrennen und bestätigte ihre Bestform an den Europameisterschaften mit zwei Titeln. Die Titelverteidigerin gehört damit auch in Huntsville zu den Schweizer Medaillenhoffnungen.
Für Micha Wäfler geht es derweil um die nächste Stufe seiner Entwicklung. Der Berner gewann an der EM Gold im Zeitfahren und Bronze im Strassenrennen und hat damit auch er erstmals konkrete Ambitionen auf Edelmetall an einer Weltmeisterschaft.
Komplettiert wird das Handbike-Team durch den Zürcher Felix Frohofer (H4).
Punkte auf dem Weg nach Los Angeles 2028
Im Nationenranking 2026 geht es für die Schweiz um je einen Quotenplatz bei den Frauen und Männern für die Paralympics in Los Angeles 2028. Dank der starken Weltcup- und EM-Resultate ist die Schweiz bereits gut positioniert. Die Weltmeisterschaften dürften deshalb für die Vergabe dieser ersten beiden Quotenplätze nicht mehr ausschlaggebend sein.
«Wir wollen an der WM so konkurrenzfähig wie möglich sein. Für die Paralympics-Qualifikation werden aber vor allem die kommenden beiden Jahre entscheidend sein», erklärt der Nationalcoach des Standing-Teams, Scott Bugden. In diesem Jahr gehe es auch darum, im Training und beim Material Anpassungen vorzunehmen, auszuprobieren und wichtige Erkenntnisse zu gewinnen.
Für das Schweizer Para-Cycling-Team geht es in Huntsville damit um mehr als nur Medaillen. Die Weltmeisterschaften sind zugleich ein wichtiger Standortbestimmung auf dem Weg nach Los Angeles. Nach einer erfolgreichen Saison soll die Schweiz aber vor allem eines: weitere Spitzenresultate einfahren.