Romy, vorweg: Du hast dich kurz vor den Paralympischen Winterspielen in Milano Cortina schwer an der Schulter verletzt. Wie geht es dir heute?
Vielen Dank, mir geht es inzwischen ziemlich gut. Ich war fast fünf Monate stationär in der Rehabilitation. Seither hat sich mein Zustand stark verbessert. Mein Arm macht jeden Tag kleine Fortschritte, aber es steckt noch immer sehr viel Arbeit dahinter. Die Nervenverletzungen spüre ich im Alltag nach wie vor deutlich. Deshalb habe ich jetzt zusätzlich mit dem Tagesprogramm in der Klinik REHAB Basel begonnen. Dreimal pro Woche gehe ich in die Reha und arbeite intensiv weiter an meinem Aufbau. Sowohl die Operateure als auch die Therapeutinnen und Therapeuten sind überrascht, wie gut sich mein Arm entwickelt. Dafür bin ich unglaublich dankbar!
Du hast im Juni 2026 das Basismodul von Sport+Handicap EDUCATION besucht. Wie kam es dazu? Warum hast du dich für diesen Schritt entschieden?
Ich möchte mich auf verschiedenen Ebenen weiterentwickeln: persönlich, sportlich, aber auch in meiner Ausbildung. Als Botschafterin von PluSport bin ich immer wieder unterwegs und das hat mich zusätzlich motiviert, diesen Schritt zu gehen. Ausserdem habe ich mich mit Daniela Loosli (Anm. d. R. Geschäftsführerin Sport+Handicap EDUCATION) über das Basismodul ausgetauscht. Das hat mich in meinem Entscheid bestärkt.
Gab es im Modul etwas, das dich besonders überrascht oder inspiriert hat?
Es war unglaublich spannend! Besonders eindrücklich war die Selbsterfahrung, bei der ich erleben konnte, wie es ist, blind zu sein. Mich im Rollstuhl mit dem Blindenstock zurechtzufinden, war eine völlig neue Erfahrung. Auch die theoretischen Inhalte über verschiedene Behinderungsformen und die Perspektivenwechsel fand ich sehr bereichernd. Ausserdem habe ich gelernt, wie ein Training inklusiv gestaltet werden kann. Die vielen praktischen Werkzeuge, die wir erhalten haben, fand ich enorm wertvoll.
Wie unterscheidet sich dein Blick als Spitzensportlerin von dem als zukünftige Leiterin?
Das ist ein spannender Perspektivenwechsel. Als Sportlerin stehen oft die eigenen Bedürfnisse im Mittelpunkt und man sucht nach Lösungen für sich selbst. Als Leiterin richtet sich der Fokus auf die Bedürfnisse der anderen. Dieser Wechsel gefällt mir sehr.
Du kennst den Behindertensport aus eigener Erfahrung. Welche Eigenschaften sollten Leiterinnen und Leiter unbedingt mitbringen?
Offenheit, Wertschätzung und die Bereitschaft, Neues zu lernen. Ich durfte bisher nur positive Erfahrungen machen. Und mir ist wichtig, dass wir uns auf Augenhöhe begegnen und voneinander lernen. Deshalb ist Offenheit für mich die wichtigste Eigenschaft.
Welche Bedeutung hat eine fundierte Ausbildung für die Qualität und Sicherheit von inklusiven Sportangeboten?
Eine sehr grosse. Das Wissen, das wir uns aneignen, eröffnet neue Möglichkeiten und gibt Sicherheit - sowohl den Teilnehmenden als auch den Leitenden. Man lernt, verschiedene Situationen vorauszudenken und mögliche Lösungen bereits im Vorfeld zu entwickeln. Dadurch kann man im Training viel flexibler reagieren.
Du arbeitest aktuell konsequent an deinem Comeback. Ist die Ausbildung bereits ein erster Schritt in Richtung «Karriere danach»? Könntest du dir vorstellen, später selbst Teil des Lehrteams zu werden?
Im Moment plane ich mein Karriereende überhaupt noch nicht. Ich bin überzeugt, dass als Sportlerin noch eine spannende Zeit vor mir liegt. Gleichzeitig finde ich es wichtig, sich frühzeitig Gedanken über die Zukunft zu machen, und mit dieser Ausbildung erweitere ich meine Möglichkeiten. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, später einmal Teil des Lehrteams zu sein. Denn diese Aufgabe hat für mich einen grossen Sinn: Sport verbindet - und genau dazu möchte ich einen Beitrag leisten.
Was ist dein nächster Schritt? Hast du schon Pläne für die weitere Ausbildung?
Zum Lehrgang gehört ein Praktikum mit zehn Lektionen. Darauf freue ich mich besonders, weil ich in dieser Rolle bisher noch wenig Erfahrung sammeln konnte. In Basel gibt es eine Unihockey-Gruppe von PluSport, die mich sehr interessiert. Als ich früher noch Fussgängerin war, habe ich selbst Unihockey gespielt. Deshalb wäre das eine schöne Verbindung. Viele Teilnehmende haben eine geistige Beeinträchtigung - auch in diesem Bereich habe ich bisher noch wenig Erfahrung. Darum bin ich überzeugt, dass ich dabei viel lernen kann.
Was würdest du jemandem sagen, der überlegt, die Ausbildung ebenfalls zu machen?
Da gibt es gar nicht viel zu überlegen - mach es! Es lohnt sich auf jeden Fall. Die Ausbildung erweitert den eigenen Horizont enorm. Man gewinnt neue Perspektiven, sammelt wertvolle Erfahrungen und hat eigentlich nichts zu verlieren. Einfach machen!
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