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Weltklasse in Tiflis – Carmen Brussig mittendrin

Bei den Judo-Weltmeisterschaften der International Blind Sports Federation (IBSA) in Georgiens Hauptstadt Tiflis kämpften vom 25. bis 27. September 166 Männer und 124 Frauen aus 44 Nationen um die Weltmeistertitel. Para-Judoka Carmen Brussig war eine davon.

Die Titelkämpfe zeigten eindrucksvoll, wie professionell und leistungsdicht das internationale Para-Judo inzwischen geworden ist. In den Sehklassifizierungen J1 und J2 wurde auf höchstem Niveau gekämpft: hohes Tempo, intensive Duelle und zahlreiche Begegnungen, die erst in den letzten Sekunden entschieden wurden.

Carmen Brussig ging als einzige Schweizer Starterin in der Klasse –52 kg/J2 auf die Matte. Ihre Augenklassifizierung liegt nur knapp über der Grenze zu J1. Mit 15 Kämpferinnen aus 13 Nationen war ihre Gewichtsklasse stark besetzt und zählte zu den besonders umkämpften Kategorien dieser Weltmeisterschaften. Zahlreiche Athletinnen gehörten zum Kreis der Favoritinnen auf den WM-Titel. Entsprechend intensiv wurde um die vier Medaillen gekämpft – auf diesem Niveau konnte bereits ein kleiner Fehler das Aus bedeuten.
 

Auftakt gegen Fujiwara

Zum Auftakt traf Brussig auf die Japanerin Yul Fujiwara. Der Kampf verlief ausgeglichen. Gleichzeitig zeigte die Schweizerin, dass sie nach ihrer Schulterverletzung sowohl bei der Kraft als auch bei der Ausdauer wieder deutlich zugelegt hat. Dann entschied eine unglückliche Situation den Kampf: Bei einem Angriff Fujiwaras verhedderte sich Brussigs Hand im Judogi der Japanerin. Dadurch konnte sie dem harmlosen Wurfangriff nicht entsprechend entgegenwirken. Aus dieser Situation entstand eine unnötige Wertung für Fujiwara. Da nur noch wenig Kampfzeit verblieb, konnte sich die Japanerin anschliessend vollständig auf ihre passive Verteidigung konzentrieren. Für Brussig war es nun nahezu unmöglich, noch eine Wertung zu erzielen. Im Judo der Sehgeschädigten wird mit beiden Händen am Judogi gekämpft. Einen Rückstand kurz vor Kampfende aufzuholen, ist deshalb besonders schwierig, da sich eine defensiv kämpfende Gegnerin kaum noch bewegen lässt. Brussig verlor damit denkbar unglücklich und musste auf die Repechage hoffen. Doch Fujiwaras nächste Gegnerin war Ulanbek aus Kirgisistan, die als grosse Favoritin auf den WM-Titel galt. Wie erwartet gewann sie gegen die Japanerin und beendete damit gleichzeitig Brussigs letzte Hoffnung auf einen weiteren Kampf. Für die einzige Schweizer Starterin endete diese Weltmeisterschaft damit zwar früh. Ihre körperliche Entwicklung nach der Schulterverletzung macht jedoch Mut für die kommenden Herausforderungen.
 

Wettkampf mit Höchstleistung

Wie hoch die Leistungsdichte an dieser Weltmeisterschaft war, zeigte sich auch im weiteren Turnierverlauf. Ulanbek verlor überraschend das Finale gegen die Chinesin Liu Yi. Auch Stepaniuk aus Russland, aktuell Nummer eins der Weltrangliste, musste sich am Ende mit Rang sieben begnügen. Das internationale Para-Judo ist enorm professioneller geworden. Die vordersten Ränge in den verschiedenen Gewichtsklassen werden zunehmend von Athlet:innen besetzt, die in ihren Ländern stark finanziell unterstützt werden und von optimalen Trainingsbedingungen sowie leistungsstarken Trainingspartner:innen profitieren.

Tiflis machte damit deutlich: An der Weltspitze des Para-Judos entscheiden heute kleinste Details – und manchmal eine einzige unglückliche Sekunde.

 

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