Integration und Inklusion

Sport verbindet

Sich zu bewegen und Sport zu treiben, ist für viele Menschen ein wichtiges Bedürfnis. Sport ist gesund und bringt Menschen zusammen. Viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Behinderungen wollen Sport treiben. Zahlreiche Vereine und Organisationen bieten Sportmöglichkeiten, die auf ihre Fähigkeiten und Bedürfnisse ausgerichtet ist – im Breiten- wie auch im Spitzensport.

Integration und Inklusion durch Sport als Selbstverständlichkeit

Integration wird in unserer Gesellschaft vielfach als Selbstverständlichkeit angenommen, aber nicht so gelebt. Im Sport können sich Men­schen mit und ohne Behinderung begegnen und gemeinsam Bewe­gung und Freude erleben.

Inklusion ist ein Gesellschaftskonzept, bei dem sich jeder Mensch un­ab­­­­­­hängig von Alter, Geschlecht, Religion, Nationalität, Bildung und einer allfälligen Behinderung der Gemeinschaft zugehörig fühlen kann. In einer inklusiven Gesellschaft wird niemand ausgegrenzt und Unterschied­lichkeit nicht nur toleriert, sondern als selbstverständ­lich betrachtet. «Normal» ist nur, dass alle Menschen unterschiedlich sind und eben auch unterschiedliche Bedürfnisse haben. In der UN-Behinderten­rechtskonvention ist Inklusion als Menschenrecht festge­schrieben.

Auf dem Weg zu einer besseren Integration und Inklusion unterstützen wir an uns herangetragene Projekte, die unserem Zweck und Auftrag ent­spre­chen. Wir nehmen an Nichtbehinderten-Sport­anlässen teil, die uns eine stärkere Präsenz ermöglichen und integrieren vermehrt Menschen ohne Behinderung in unsere Sportcamps sowie Sportevents.

Bei dieser Aufgabe lassen wir die Bedürfnisse unserer primären Zielgruppe nicht aus den Augen. Die Interessen unserer Sportler mit Behinderung werden gewahrt; denn nicht immer möchten sie integriert werden, sondern auch unter sich bleiben.

Integration und Inklusion sollen nicht erzwungen werden, sondern freiwillig erfolgen. Diese Ungezwungenheit soll im Sport selbstverständlich gelebt werden.

  • Die Gymnaestrada wird vom Internationalen Turnerbund organisiert und ist das offizielle Weltfestival des Breitensports. Während sieben Tagen treffen sich Turner jeden Alters und aus allen Kontinenten - Frauen, Männer, Behinderte und Nichtbehinderte, um ihre Begeisterung für diesen Sport miteinander zu teilen und in allen Turnsportarten ihr Talent zu zeigen. An der 14. World Gymnaestrada in Lausanne 2011 hat PluSport gemeinsam mit dem Schweizerischen Turnverband während einer Woche am gesamten Programm mit unterschiedlichen Auftritten teilgenommen. PluSport konnte unter seinen Sportclubs insgesamt rund 120 Sportler für die Teilnahme an diesem riesigen Ereignis gewinnen. Zum einen wurden rund 70 Behindertensportler und ihre Betreuer in die Grossgruppenvorführungen integriert, und zum anderen präsentierten sich rund 50 Turner mit und ohne Behinderung beim attraktiven Showprogramm am Länder-Eröffnungsabend. Mit dieser erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen PluSport und dem Schweizerischen Turnverband konnte sich die positive Partnerschaft im Sinne der Integration durch Sport noch weiter festigen. 2019 wird die 16. World Gymnaestrada in Dornbirn (AUT) durchgeführt und PluSport prüft bereits eine mögliche Teilnahme. Die Partizipation von PluSport an den jeweiligen Gymnaestrada ist abhängig von den finanziellen Aufwendungen, der Destination und der Teilnahme-Bereitschaft unserer Mitgliederclubs.
  • Am vergangenen Eidgenössischen Turnfest 2013 in Biel bewegte sich der Behindertensport mit seinen Sportclubs dank der Offenheit des Schweizerischen Turnverbands mitten drin im Geschehen und war voll integriert. Der Behindertensportverband nimmt seit Jahren an Turnfesten teil. Vor dem ETF in Biel  starteten die Sportler mit Behinderung jedoch auf separaten Anlagen und gingen dadurch im riesigen ETF-Gelände etwas unter. In Biel nahmen rund 200 Behindertensportler am Fit & Fun-Parcours sowie an den Leichatathletikdisziplinen – mitten drin wie alle anderen – teil. Sie absolvierten die Wettkämpfe auf denselben Anlagen mit denselben Kampfrichtern wie die Sektionen des STVs. Die Inklusion trat an diesem ETF gelungen zum Vorschein und bildete die Vorgabe für weitere nationale und regionale Turnfeste. PluSport ist für das kommende Eidgenössische Turnfest 2019 in Aarau bereits in den Startlöchern.
  • PluSport Parallel Challenge
  • Fussballprojekt Axpo PluSport-Teams
  • Sportberatungscorner Rehaklinik Bellikon
  • Corporate Volunteering Credit Suisse / Axpo / Losinger usw.
  • Axpo Kids & Family Day am PluSport-Tag

Das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen unterstützt PluSport seit Jahren und immer wieder bei neuen Projekten. So können beispielsweise Kinder und Jugendliche nach Spitalaufenthalt in der Rehabilitierungsphase wieder an den Sport geführt werden oder Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen können durch Bewegung und Sport ihre Lebenssituation verbessern.

Hindernisfreie Sportanlagen

Was sind die spezifischen Bedürfnisse des Behindertensports an die Sportstätten? Solche Fragen beantworten die bei SIA erhältlichen «Richtlinien Hindernisfreie Sportanlagen», welche von Procap Bauen in Zusammenarbeit mit der IG Sport & Handicap (Zusammenschluss von PluSport, Procap und Schweizer Paraplegiker-Vereinigung) erarbeitet wurden. Zielgruppe der mit der Unterstützung des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen (EBGB) und des Bundesamtes für Sport BASPO entwickelten Richtlinien sind in erster Linie Baufachleute und Sportanlagenbetreiber. Sie sollen für das Thema Zugänglichkeit und Hindernisfreiheit sensibilisiert werden. Weitere Informationen finden Sie in diesem

Flyer

Medienmitteilung

 

Broschüren zum Bestellen

«Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen im Sport», EBGB

«Pari opportunità delle persone con disabilità nello sport», UFPD

 

Ludotheken

PluSport und Ludotheken Schweiz kooperieren und nutzen Synergien im Bereich «Spielen für alle». Durch das Projekt «Die Schweiz spielt barrierefrei - Ludothek für alle» soll es Menschen mit einer Behinderung ermöglicht werden, das bestehende, vielfältige Angebot der Ludotheken gleichberechtigt zu nutzen. Mit diesem Projekt sollen Ludotheken in ihren Bestrebungen unterstützt werden, Zugänge, Einrichtungen und das bestehende vielfältige Angebot so auszubauen, dass es von Menschen mit Behinderung barrierefrei genutzt werden kann. Zusätzlich steht die soziale Verbindung, welche durch das Spiel zwischen Menschen mit und ohne Behinderung entstehen kann im Fokus. Auf Grund dessen kooperiert PluSport mit den Ludotheken auch im Bereich Sportcamps, Sportclubs und Ausbildung. Der Spielgedanke bietet Grundlagen und ideale Ergänzungen zu Sport und Bewegung.

Projektinformation 

Jugend+Sport ist das grösste Sportförderungsprogramm des Bundes.

J+S bietet Sportkurse und Lager für Kinder und Jugendliche in rund 70 Sportarten und Disziplinen an. Jährlich finden fast 70'000 Sportkurse oder Lager mit rund 930'000 Teilnahmen von 575'000 Kindern und Jugendlichen statt.

J+S bietet u.a. zusammen mit PluSport das interdisziplinäre Ausbildungsmodul «Sport und Handicap Grundlagen» an. J+S-Leitendende erhalten bei gewissen Ausbildungsangeboten von PluSport den Zusatz «Sport und Handicap».

Weitere Informationen bei J+S zu Sport und Handicap

PluSport Sportcamps

Viele unserer Sportlager sind auch für nicht-behinderte Sportler offen.

Z.B. Rafroball, Schneesport, Polysport, Kampfsport, Reiten, Fussball, Wassersport usw.

Finde dein Sportcamp 

Mitenand-Fürenand

Das «mitenand - fürenand» Lager ist ein integratives Lager für Jugendliche mit und ohne Behinderung und will Begegnungen zwischen behinderten und nichtbehinderten Jugendlichen ermöglichen. Im Zusammenleben, beim Sport und in der Freizeit während einer Lagerwoche lernen sich die Jugendlichen kennen, überwinden Vorurteile und gewinnen neue Freunde.

Blindspot

Mit Blindspot verbindet uns eine langjährige Zusammenarbeit im Bereich Integration und Inklusion. PluSport führt regelmässig gemeinsame Camps mit Blindspot durch und kooperiert im Rahmen der Ausbildung mit ihnen zum Thema Integration und Inklusion.

Cooltour ist ein Sommerlager mit abwechslungsreichem Ferienprogramm für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung zwischen 10 und 19 Jahren.

Jugend-Wintercamp

Aktiv an der frischen Luft, neue Freestyletricks, tolle und ausgelassene Stimmung, aufgestellte Leute, neue Freundschaften knüpfen - und das inmitten der atemberaubenden Berglandschaft von Saas-Fee. Sind das nicht perfekte Winterferien?

Kinder-Wintercamp

Schnee ist deine grosse Leidenschaft? Komm in unser Wintercamp für Kinder mit und ohne Behinderung zwischen 10-14 Jahren: Zusammen erleben wir tolle Winterferien in den Walliser Bergen, lernen neue Ski- oder Snowboard-Tricks, knüpfen Freundschaften und geniessen die gemeinsame Zeit.

«Sport forciert die Integration in die Gesellschaft»

Im Moment sprechen alle von «Integration». Aber zur Realität: Können Behinderte und Nichtbehinderte überhaupt sinnvoll zusammen Sport treiben?

Sicher. Seit jeher verbindet Sport alle Menschen. Klar, im ersten Moment wird ein Nichtbehinderter wohl immer die Behinderung sehen. Doch das verliert sich mit der Zeit und zudem verschwinden die Grenzen dank verbesserter Infrastruktur zunehmend. Wir vom Dachverband wollen auch Synergien mit der validen Sportlandschaft nutzen. Ein beinamputierter Skirennfahrer benötigt zum Trainieren ja dieselben Pisten, wie ein Nichtbehinderter. Hier macht Integration Sinn, sofern der Athlet dieselben Trainingsbedingungen vorfindet.

Wie funktioniert «Integration durch Sport» konkret?

Wir bieten in unseren fast 90 Sportclubs vielseitige Angebote; vermehrt auch Trendsportarten, bei denen Behinderte und Nichtbehinderte in derselben Mannschaft an ihre Grenze gehen können. Sport verbessert die Beweglichkeit, steigert das Selbstvertrauen und führt zu mehr Selbständigkeit. Das kann die Integration ins tägliche Leben erleichtern und bringt vermehrt gesellschaftliche Akzeptanz.

Wie das?

Je mehr der Behinderte sichtbar ist - und zwar als Mensch mit seiner Leistung -, umso mehr werden Berührungsängste abgebaut. Das konnten wir an der Gymnaestrada in Lausanne eindrücklich beweisen, an der Turnende von PluSport und vom STV gemeinsam eine Performance gezeigt haben. Das Publikum ist vor Begeisterung aufgesprungen. Dieses Zweijahresprojekt war nur dank optimaler Vorbereitung und Zusammenarbeit beider Verbände möglich. Es war jedoch allen Beteiligten wichtig, ein Zeichen zu setzen, denn solche Gemeinschaftsprojekte sind Zugpferde der Integration.

Gibt es weitere Projekte?

Ja. Professionell durchgeführte Anlässe wie die Schweizermeisterschaften Paralympic Ski Alpin oder Camps wie «Cooltour» für Kinder und Jugendliche mit und ohne Sehbehinderung. Auch das Corporate Volunteering gehört dazu. Immer mehr Unternehmen wollen ihre soziale Verantwortung wahrnehmen. Sie ermöglichen ihren Mitarbeitern, als freiwillige Helfer an unseren Anlässen dabei zu sein, etwa am nationalen Behindertensporttag. Wichtig ist, dass solche Volunteer-Einsätze gezielt vorbereitet werden, damit für alle eine Win-Win-Situation entsteht.

Was können denn Nichtbehinderte gewinnen?

Menschen mit Behinderung machen einem oft bewusst, was wirklich wichtig ist im Leben. Besonders eindrücklich ist die unverfälschte Freude im Sport. Bei Menschen mit kognitivem Defizit gibt es kein Konkurrenzdenken. Jeder will seine Leistung bringen und jubelt, wenn ihm dies gelingt. Er freut sich aber genauso über den Erfolg seines Mitstreiters. Die Begeisterung für den Sport steht immer im Vordergrund - und der Ehrgeiz gehört dazu. Ein Hochspringer am PluSport-Tag oder am Eidgenössischen Turnfest nervt sich gewaltig, wenn die Latte schon bei 1 Meter 20 fällt, statt bei 1 Meter 25. Das ist für alle gleich, mit welcher Voraussetzung auch immer.

Und wie geht es weiter?

Integration ist in aller Munde. Wir spüren, dass Gesellschaft und Behörden hier neue Erwartungen an uns richten. Unsere Antwort lautet: Wir sind dabei. Jedoch Integration kostet und bedingt angemessene Mittel und Unterstützung. Und wir müssen dafür sorgen, dass die spezifischen Bedürfnisse unserer Mitglieder nicht unter die Räder kommen. Richtig konzipiert und barrierefrei umgesetzt, eröffnen sich in Zukunft sicher noch grosse Chancen.

«Und es geht doch»

Jonas Staub, Sozialpädagoge, NPO-Manager und Geschäftsleiter von Blindspot, setzt sich seit Jahren für eine konsequente Gleichstellung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung ein. Er nimmt zum Thema Inklusion Stellung.

Herr Staub, Sie organisieren mit Blindspot seit zehn Jahren unter anderem Camps, in denen Sie Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung zusammenbringen, um beide Seiten füreinander zu sensibilisieren. Sie möchten damit einen Prozess auslösen, dessen Ziel in der Fachsprache Inklusion heisst. Können Sie ein Beispiel nennen, das den Unterschied zwischen einer Integration und einer Inklusion aufzeigt?

Ein Rollstuhlfahrer, der ohne fremde Hilfe in ein Gebäude gelangt, ist zwar integriert, aber wenn niemand mit ihm etwas zu tun haben will, fühlt er sich dennoch isoliert. Dort setzen wir mit Blindspot an. Die Unterschiede sollen durch gegenseitiges Verstehen verschwinden. Ein Leitgedanke dabei ist: Und es geht doch. Wir überschreiten die Grenzen mit Menschen mit Behinderung bewusst, ohne dabei unvorsichtig zu handeln. Die Integration setzt einen Prozess in Gang, wodurch sich alle auch auf einer sozialen Ebene zu verstehen beginnen. Die Inklusion wäre dann der abgeschlossene Prozess, die selbstverständliche Zugehörigkeit von Menschen mit Behinderung.

Wie schafft man es, dass sich ein Mensch mit einer Behinderung zugehörig fühlt?

Es braucht von allen Seiten den Willen, am gleichen Strang zu ziehen. Zudem ist es ausschlaggebend, dass wir als Organisator sorgfältig planen. Wir müssen viele Details beachten und alle Schnittstellen der Teilnehmenden involvieren, um gravierende Enttäuschungen zu vermeiden. Sie geschehen vor allem dann, wenn der Integrationsprozess weit fortgeschritten ist. Dies, weil der Mensch in einem Moment empfindlich enttäuscht wird, indem er sich anderen gegenüber stark geöffnet hat. Man hat dann verloren, wenn die Person mit Behinderung kapituliert und sich sagt, «es ist doch besser, wenn ich unter meinesgleichen bleibe».

Ist Sport ein gutes Mittel zur Inklusion?

Sehr sogar - weil man danach über das Gleiche diskutieren kann. Die Knacknuss sind die Erwartungen. Hier steht der Organisator in der Verantwortung. Einerseits geht es darum, Sportarten auszuwählen, die sich allenfalls eher eignen. Und auch, wie man sie anbietet. Teamsport eignet sich nur bedingt. Sport mit offenen Regeln funktioniert besser, etwa Breakdance, Parkour oder Fechten. Beim Fussball muss man die Bereitschaft der Teilnehmer ohne Behinderung gewinnen, dass sie ihren Leistungsdrang anderswo ausleben oder ihnen die Möglichkeit geben, andere Fähigkeiten auszuloten, beispielsweise, indem man ihnen eine Trainerfunktion erteilt.

Die UN-Behindertenrechtskonvention (BRK) fordert eine «gleichberechtigte Teilhabe an der Gemeinschaft» für Menschen mit einer Behinderung, und damit auch am Sport. Was bedeutet dies für eine Organisation wie PluSport?

Die BRK wird einiges bewegen. Aber konsequenterweise würde die Inklusion die Aufhebung von Strukturen bedeuten, welche separierte Sonderförderung anbieten. Der politische Druck wäre damit am grössten. Als Vision muss dies verfolgt werden.

PluSport und alle Behindertenorganisationen wären also im Idealfall eines Tages überflüssig?

In der heutigen Struktur schon. Aber: das Fachwissen der Leute braucht es weiterhin und die Menschen, die das Sonderförderungswissen mitbringen sollen die Betreuung und Unterstützung von Menschen mit Behinderungen im inklusiven Rahmen fortführen.

Herzlichen Dank für die grosszügige Unterstützung

Bereits mit einer kleinen finanziellen Unterstützung können Sie einem behinderten Menschen die Teilnahme an Sportevents ermöglichen.