Marcel Habegger berichtet aus London

Zurück im Mutterland der Paralympics

Es sind noch 40 Tage bis zur Eröffnung der Paralympischen Spiele am 30. August. Bis zu der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele dauert es noch gerade mal eine Woche. 40 Tage vor der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele war noch kaum etwas vom Olympischen Feuer in der Olympiastadt zu spüren, das ist nun bei den Paralympics anders.

Marcel Habegger

Boris Johnson, der Bürgermeister von London hatte im Vorfeld angekündigt, dass London 2012 die grössten Olympischen Spiele der Geschichte werden würden. Ob dies auf die Olympischen Spiele zutreffen wird, ist nicht so sicher, bei den Paralympischen Spielen könnte er aber durchaus recht haben. Die Paralympischen Spiele sind normalerweise für viele nur der Anlass, der nach den Olympischen Spielen noch ansteht. In London ist dies anders. Den Briten liegt der Behindertensport am Herzen. Wie die Schweizerinnen gewinnen auch sie an den Paralympischen Spielen mehr Medaillen als an den Olympischen Spielen. In Peking waren es 102 Medaillen (Olympische Spiele 47).

Die Gastgeber haben viel dafür getan, dass die Paralympics genauso wahrgenommen werden. Bereits vor den Olympischen Spielen sind in den Tageszeitungen in London Berichte und Interviews über die britischen Behindertensportler zu lesen. Bei Werbeauftritten für die Olympischen Spiele stehen die Sprinterin Stefanie Reid und ihr männliches Pendent Richard Whitehead, der mit zwei Beinprothesen auch Marathonläufe bestreitet, neben Tennisspieler Andy Murray und der Siebenkämpferin Jessica Ennis. Und wird im offiziellen Olympia Magazin von den grössten internationalen Medaillenanwärtern gesprochen, kommen die Paralympioniken nicht nach den olympischen Athletinnen und Athleten, sie sind mitten unter ihnen aufgeführt.

64 Jahre nachdem die ersten Spiele für Rollstuhlsport in Aylesbury (GB) ausgetragen wurden, kommen nun die Paralympischen Spiele wieder zurück in das Land des Ursprungs der internationalen Wettkämpfe des Behindertensports. Damals fanden die Wettkämpfe, ausschliesslich für Rollstuhlsportler, gleichzeitig wie die Olympischen Spiele in London 1948 statt. «Erfinder» der internationalen Wettkämpfe für Menschen mit Behinderung war der deutsche Neurologe Ludwig Guttmann, der mit den gleichzeitig stattfindenden Wettkämpfen für mehr Integration sorgen wollte.  Seit 1960 werden nun die Paralympics wie die Olympischen Spiele alle vier Jahre ausgetragen.

Welch grosse Leistungen behinderte Athletinnen und Athleten erbringen war denen, die den Behindertensport schon länger verfolgen schon immer klar, dem Rest hat unter anderen der Südafrikanische Sprinter Oscar Pistorius aufgezeigt, wie viel man trotz Behinderung erreichen kann. Er ist der erste der diesen Sommer gleichzeitig an den Olympischen und den Paralympischen Spielen teilnehmen wird. Der 4. August, der Tag an dem Oscar Pistorius mit seinen beiden hightech-Karbonprothesen im Startblock des 400 Meter Rennens stehen wird, wird in die Geschichte eingehen. Ob die Paralympics 2012 als die grössten aller Zeiten in die Geschichtsbücher eingehen werden ist abzuwarten, die Zeichen stehen aber gut.


LONDON 2012 live

Unsere Sportler in London

Weitere Resultate und News gibts unter:

> SwissParalympic.ch

 

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