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Silber für Zürich

Am letzten Wochende fand der 19. Torball-Europacup statt.

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Absolute Ruhezone
In den Turnhallen der Kantonsschule im Lee fand am Wochenende vom 28./29. November 2009 der 19. Torball-Europacup statt. Ausgangspunkt war die Maturarbeit Christina Schweizers vor zwei Jahren.

Team BSCZ in Abwehrstellung
Team BSC Zürich

Team ASCND Marseille
Team ASCND Marseille

Team Mü-Aö Landshut
Team Mü-Aö Landshut

Team Frauen BSCZ
Team Frauen BSC Zürich

Team Frauen VBSC Voralberg
Team Frauen VBSC Voralberg

Wenn im Tennis der Stuhl-Schiedsrichter „Quiet, please“ ruft, verstehen das manche Zuschauer höchstens als Aufforderung, den Geräuschpegel leicht zu senken. Im Torball hingegen sind die Spielerinnen und Spieler auf absolute Ruhe angewiesen. Die Blinden oder Sehbehinderten orientieren sich rein nach dem Gehör, um die im Spielball angebrachten Glöckchen wahrzunehmen. Sie erfassen den Rollweg des Balles und dessen Geschwindigkeit, um sich entsprechend auf den Boden zu werfen, damit ein Gegentor verhindert werden kann. „Die Voraussetzungen an der Kanti im Lee waren hervorragend. Dank der mit Glasscheiben abgetrennten Galerie konnten sich die Zuschauer normal unterhalten, ohne die Spieler zu stören“, sagt Thomas Seeburger vom organisierenden Verein Behinderten-Sport Club (BSC) Zürich. Entscheidend für die Wahl des Standorts war jedoch, dass beim Neubau der Halle 2007 schweizweit einmalig fixe Linien für Torball eingezeichnet wurden.

Die anderen Sinne
Die Maturandin Christina Schweizer betrieb Leichtathletik und wollte „einfach den Behindertensport näher kennen lernen.“ Eine persönliche Beziehung zu Sehbehinderten gab es nicht, sie hatte lediglich im Wahlfach Sport theoretische Kenntnisse zum Torball und Rohlstuhl-Basketball erlangt. Mit ihrer Maturarbeit zum Thema Torball änderte sich dies vor zwei Jahren – und es sollte nicht bei dieser Arbeit bleiben. „Im letzten Jahr war ich bei jedem Turnier des BSC Zürich als Helferin dabei“, sagt die heute 22-jährige Studentin für Bewegungswissenschaft und Sport. Natürlich hat sie Torball selber schon ausprobiert – auch Sehende können das, tragen doch alle Spieler eine blicksichere Brille. „Mich hat fasziniert, wie sofort alle anderen Sinne stärker zum Tragen können. Und auch abseits des Sports macht man sich seine Gedanken, wenn man in einer Gesellschaft lebt, in der sich sehr viel aufs Äusserliche konzentriert“, schildert sie ihre Erfahrungen.
Ein Leser der Maturarbeit war Hausmeister Hans Deuber (45). Er zeigte sich davon so begeistert, dass er mit Unterstützung der Turnlehrer und der Verwaltung dafür sorgte, dass die Linien eingezeichnet wurden. Und auch er liess es sich nicht nehmen, aktiv ins Geschehen einzugreifen. „Wenn man den Ball hört und dann auch tatsächlich zu fassen kriegt, ist das ein besonderes Gefühl“, zeigt er sich beim Europacup als fachkundiger Zuschauer.

Die etwas andere Eröffnungsfeier
15 Teams (Landesmeister, Titelverteidiger und Veranstalter) aus Europa reisten am Freitag, 27. November 2009 zum 19. Europacup-Turnier nach Winterthur. Nach der Ankunft im Hotel Ibis wurden schon bald die Mannschaftskleidungen angezogen und es ging mit den Spezial-Shuttles der Stadtbus Winterthur hin zur Winti-Mäss an die Eröffnungszeremonie.
Auf den Leinwänden des Laufstegs in der Event-Halle zeigte der Veranstalter, Behinderten-Sport Club Zürich, zuerst einen Film der das Torballspiel dem Publikum erläutert. Danach gab es Grussworte vom Veranstalter, der Stadt Winterthur, dem Plusport Schweiz und der IBSA, der intern. Torballvereinigung.
Danach wurden alle Teams aufgerufen und durften sich mit Ihrer Landesfahne auf dem „Catwalk“ dem breiten Publikum und den Sponsoren präsentieren.

Mannschaftsphoto BSCZ
Team BSC Zürich

Silber für Zürich
Am Samstag und Sonntag fand dann in den Hallen der Kantonsschule im Lee das spannende Turnier statt. Während den Gruppenspielen verfolgten die meisten Zuschauer die Spiele „von oben“, das heisst auf der Gallerie an den grossen Scheibenfronten.

Spiel von oben Gallerie

Während so die packenden Spiele auf zwei Feldern durchgeführt wurden liess sich der Veranstalter für die Finalspiele etwas besonderes einfallen. Kurz nach Ende der Halbfinals wurden die beiden Trennwände hochgezogen. Unzählige Hände bauten innert kurzer Zeit zwei Felder ab und erstellten, nun längs durch die 3-fach Halle, ein Finalspielfeld. Alle Zuschauer wurden nun in die grosse Halle gebeten was für die beiden Finals eine Wahnsinns Atmosphäre ergab.
Bei den Männern verlor Gastgeber BSC Zürich ganz knapp mit 1:2 gegen Landshut (Deutschland) und gewann die Silbermedaille. Bei den Frauen gewann Vorarlberg (Österreich) vor Waasland (Belgien) und Paris (Frankreich).

Helfer und Sponsoren

Für den Behinderten-Sport Club Zürich war das ganze Wochenende ein rundum gelungener Anlass der noch lange in Erinnerung bleiben wird. Danken möchten wir an dieser Stelle allen Sponsoren die uns Finanziell und Materiell unterstützt haben.
Ein riesiges Dankeschön geht auch an alle freiwilligen (!) Helferinnen und Helfer die mit Ihrem frohem Gemüt und dem unermüdlichen Einsatz keine Arbeit scheuten und über diese Tage neue Freundschaften in Europa schlossen.

Was nun?

Und Christina Schweizer? Sie machte sich natürlich an den beiden Turniertagen am Jurytisch nützlich und plant bereits ihre Master-Arbeit, bei der es wiederum um den Behindertensport gehen soll. Wenn die Maturarbeit schon einen Europacup ausgelöst hat, darf man auf den Effekt ihrer nächsten Abschlussarbeit gespannt sein. Wir bleiben am Ball...

Torball

Torball wurde für blinde und sehbehinderte Personen entwickelt, kann aber auch von sehenden Personen gespielt werden. Alle tragen eine lichtundurchlässige Dunkelbrille und sind einzig auf ihr Gehör angewiesen.
Gespielt wird 3 gegen 3. Drei vor dem Tor angebrachten Teppich-Matten dienen der räumlichen Orientierung.
Das Spielgerät ist ein akustischer Ball, der mit Glöckchen im Innern versehen ist. Der Ball darf nur dem Boden entlang geworfen werden.
Das Torballfeld ist 7 x 16 m gross, wobei die 7 m lange Grundlinie zugleich die Torlinie darstellt. Das Tor hat eine Höhe von 1.30 m.

Text: Damian Keller und Thomas Seeburger
Bilder: Harald von Mengden, Thomas Seeburger und Guido Morgenegg

Weitere Infos unter: www.ec09.torball.org und www.bsczuerich.ch

Weitere Bilder finden sie hier: www.altenwoga.ch