Integration durch Sport

Aufführung an der Gymnaestrada 2011

PluSport engagiert sich für Menschen mit Behinderung und ermöglicht ihnen Integration, Freude und Erfolg durch die Bewegung im Sport.

«Sport forciert die Integration in die Gesellschaft»

Interview mit René Will, Geschäftsführer PluSport Behindertensport Schweiz.

René Will, Geschäftsführer

Im Moment sprechen alle von «Integration». Aber mal zur Realität: Können Behinderte und Nichtbehinderte überhaupt sinnvoll zusammen Sport treiben?

Sicher. Seit jeher verbindet Sport alle Menschen. Klar, im ersten Moment wird ein Nichtbehinderter wohl immer die Behinderung sehen. Doch das verliert sich mit der Zeit und zudem verschwinden die Grenzen dank verbesserter Infrastruktur zunehmend. Wir vom Dachverband wollen auch Synergien mit der validen Sportlandschaft nutzen. Ein beinamputierter Skirennfahrer benötigt zum Trainieren ja dieselben Pisten, wie ein Nichtbehinderter. Hier macht Integration Sinn, sofern der Athlet dieselben Trainingsbedingungen vorfindet.

Wie funktioniert «Integration durch Sport» konkret?

Wir bieten in unseren 90 Sportclubs vielseitige Angebote; vermehrt auch Trendsportarten, bei denen Behinderte und Nichtbehinderte in derselben Mannschaft an ihre Grenze gehen können. Sport verbessert die Beweglichkeit, steigert das Selbstvertrauen und führt zu mehr Selbständigkeit. Das kann die Integration ins tägliche Leben erleichtern und bringt vermehrt gesellschaftliche Akzeptanz.

Wie das?

Je mehr der Behinderte sichtbar ist – und zwar als Mensch mit seiner Leistung –, umso mehr werden Berührungsängste abgebaut. Das konnten wir an der Gymnaestrada in Lausanne eindrücklich beweisen, an der Turnende von PluSport und vom STV gemeinsam eine Performance gezeigt haben. Das Publikum ist vor Begeisterung aufgesprungen. Dieses Zweijahresprojekt war nur dank optimaler Vorbereitung und Zusammenarbeit beider Verbände möglich. Es war jedoch allen Beteiligten wichtig, ein Zeichen zu setzen, denn solche Gemeinschaftsprojekte sind Zugpferde der Integration.

Gibt es weitere Projekte?

Ja. Professionell durchgeführte Anlässe wie die Schweizermeisterschaften Paralympic Ski Alpin oder Camps wie «Cooltour» für Kinder und Jugendliche mit und ohne Sehbehinderung. Auch das Corporate Volunteering gehört dazu. Immer mehr Unternehmen wollen ihre soziale Verantwortung wahrnehmen. Sie ermöglichen ihren Mitarbeitern, als freiwillige Helfer an unseren Anlässen dabei zu sein, etwa am nationalen Behindertensporttag. Wichtig ist, dass solche Volunteer-Einsätze gezielt vorbereitet werden, damit für alle eine Win-Win-Situation entsteht.

Was können denn Nichtbehinderte gewinnen?

Menschen mit Behinderung machen einem oft bewusst, was wirklich wichtig ist im Leben. Besonders eindrücklich ist die unverfälschte Freude im Sport. Bei Menschen mit kognitivem Defizit gibt es kein Konkurrenzdenken. Jeder will seine Leistung bringen und jubelt, wenn ihm dies gelingt. Er freut sich aber genauso über den Erfolg seines Mitstreiters. Die Begeisterung für den Sport steht immer im Vordergrund – und der Ehrgeiz gehört dazu. Ein Hochspringer am PluSport-Tag oder am Eidgenössischen Turnfest nervt sich gewaltig, wenn die Latte schon bei 1 Meter 20 fällt, statt bei 1 Meter 25. Das ist für alle gleich, mit welcher Voraussetzung auch immer.

Und wie geht es weiter?

Integration ist in aller Munde. Wir spüren, dass Gesellschaft und Behörden hier neue Erwartungen an uns richten. Unsere Antwort lautet: Wir sind dabei.
Jedoch Integration kostet und bedingt angemessene Mittel und Unterstützung.
Und wir müssen dafür sorgen, dass die spezifischen Bedürfnisse unserer Mitglieder nicht unter die Räder kommen. Richtig konzipiert und barrierefrei umgesetzt, eröffnen sich in Zukunft sicher noch grosse Chancen.