Paralympics Beijing (6.9.-17.9.2008)
Vorschau
Elf Medaillen ohne Garantie
34 (1988), 34 (1992), 21 (1996), 20 (2000) und 16 (2004) Medaillen gewannen die Schweizer Athletinnen und Athleten während der letzten 20 Jahre an den Paralympics. Für Peking hat die sportliche Leitung 11 Podestplätze als Zielsetzung vorgegeben.
Erstmals in der Geschichte reist das Schweizer Team ohne den «absolut sicheren» Medaillen-Tipp zu den Paralympics. Zwar darf rund die Hälfte der 27 selektionierten Athletinnen und Athleten von einem Podestplatz träumen, aber die Zeiten, als Routiniers wie Heinz Frei, Franz Nietlispach oder Urs Kolly wegen ihrer Vielzahl an Starts bereits im Vorfeld als Medaillengewinner gesetzt werden durften, sind vorbei. Franz Nietlispach kehrte 1988 als sechsfacher Paralympics-Sieger in die Schweiz zurück.
Leichtathletik
Die Spezialisierung bringt es mit sich, dass von den Rollstuhl-Leichtathleten nicht bei jedem Start ein Spitzenergebnis erwartet werden kann. Mit den beiden auf vier Distanzen zu den Edelmetall-Anwärtern zählenden Edith Hunkeler und Marcel Hug, die ihre erste Goldmedaille anstreben, den Sprintern Beat Bösch und Pia Schmid, den Langstrecken-Spezialisten Heinz Frei und Sandra Graf sowie der zweifachen Athen-Medaillengewinnerin Manuela Schär verfügt das rollende Swiss Team über mehrere Trümpfe. Bei Urs Kolly, dem unterschenkelamputierten zwei fachen Sieger von Athen, sollen wie 2004 der Fünfkampf und der Weitsprung zu den persönlichen Podestplatz-Disziplinen werden. Dem blin- den Lukas Hendry wird nach seinen 6.03 Metern im Weitsprung bei optimalem Anlauf ebenfalls ein Exploit zugetraut. Doch das Chancen-Barometer pendelt sich beim längere Zeit verletzt gewesenen Urs Kolly oder Lukas Hendry analog dem Pistolenschützen Patrick Plattner (EM-Dritter) zwischen 50 und 75 Prozent ein.
Schwimmen
Auf dem gleich hohen Niveau wie Hunkeler/Hug und Co. fahren, schwimmt die blinde Bernerin Chantal Cavin. Als Weltrekordhalterin zählt sie zum erweiterten Favoritenkreis. Offen bleibt, ob sich die Ohrenoperation während der Saison negativ auf die Vorbereitung ausgewirkt hat. Kämpferin Chantal Cavin zeigt sich zuversichtlich, dass in Peking nichts davon erkennbar sein wird. Intern werden zudem vor allem die Handbiker (Zeitfahren/Strassenrennen) auf der Medaillen-Kandidaten-Liste geführt. Wobei neben der Topografi e der Strecke besonders die äusseren Bedingungen und die Rennentwicklung eine Rolle spielen werden. Andererseits sitzen mit Heinz Frei oder Franz Nietlispach Routiniers im mit den Armen betriebenen Rad, denen bezüglich Taktik niemand etwas vormachen kann.
Hochrechnung
Wird aufgrund der Athletenzahl und den Starts eine Hochrechnung erstellt, könnten sich die elf Medaillen so zusammensetzen:
- Leichtathletik: 8
- Schwimmen: 1
- Paracycling: 2
Text: Urs Huwyler
Fotos: Eddy Risch/Keystone







